Ist dieser Garten klimaerwärmt?

15. Februar 2008

Klimaerwärmter Garten

Angesichts des Klimawandels machen sich auch Gärtner Gedanken über die Zukunft ihrer geliebten Betätigungsparzellen (siehe z.B. diesen Beitrag im Gärtner-Blog). Einige, die mit der Gärtnerei nur wenig anfangen können, denken vielleicht, dass einfach andere Pflanzenarten angepflanzt werden, und dass sich das Nutz- und Zierpflanzenspektrum in Gärten einfach ein bisschen (oder ein bisschen mehr) zu wärmetoleranteren Arten hin verschiebt. Also kein Grund zur Sorge? Vielleicht freuen manche sich sogar auf Carob, Papaya, Ananas, Bananen aus Mitteleuropa. So weit ist es aber (zum Glück) noch lange nicht; eine solch drastische Verschiebung der Klimazonen ist weder wahrscheinlich noch wünschenswert.
Ein Garten ist für viele etwas Besonderes, ein Lebenswerk und Lebensinhalt, Inbegriff einer Existenz, die mehr kennt als Erwerbsarbeit. Der Garten repräsentiert einen locus amoenus, ein Stück Paradies auf Erden.
Ein Garten ist demnach nicht ein Plätzchen freie Natur, in dem man entspannen und ausruhen kann, vielmehr spiegelt er einen ursprünglichen Ort menschlicher Kultur wieder. In diesem Sinne ist er gerade nicht Natur. Ein Garten bedeutet nicht ‚back to the nature’, sondern ‚back to the roots’. Er ist die menschliche Bearbeitung eines Ensembles mehr oder weniger natürlicher Lebensformen. Weniger natürlich, weil einige Zierpflanzenarten so lange und intensiv gezüchtet worden sind, dass sie mit ihrer Ausgangsart nur noch recht viel zu tun haben, aber ihr durchaus nicht mehr entsprechen. Sorten, Hybriden und Varietäten, das sind in der Regel die Objekte der Gärtnerei. Häufig hindert man auch die Natur an ihrem Wirken; Moospolster und Pilze im Rasen sind nicht erwünscht und müssen eradiziert werden.

Einige Gartentypen haben eine so große symbolische Bedeutung, dass man annehmen kann, das Wohl einer ganzen Nation ist von dem Zustand ihrer Gärten abhängig. In Großbritannien macht man sich Sorgen um die Zukunft des englischen Rasens und des englischen Country Garden (vgl. z.B. hier):

Time might be running out for the English country garden and the great British lawn. Some of the best loved features of UK gardens are under threat as a result of the impact of climate change. Climate change will affect millions of domestic gardens in the UK and could ultimately threaten the long-term survival of some historic and public gardens and parks and their plant collections. Within the next 50 to 80 years, the quintessential ‘English country garden’ and the great British lawn could become increasingly difficult and costly to maintain and some traditional garden features may have to be replaced by new ones, more suited to changing conditions.

Wenn ein Garten also gar nicht ein Fleckchen Natur darstellt, dann fungiert er doch auch nicht als eine Kohlenstoffsenke, wie es andere natürlichere Ökosysteme tun (z.B. Wälder). Nun, wir haben Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende gegärtnert, ohne eine Klimaerwärmung gezündet zu haben. In diesem Sinne ist ein Garten, sei er auch noch so naturfremd sicher weniger klimaschädlich als ein Autobahnkreuz oder ein Parkhaus. Der Gärtner aber, der sein bevorzugtes Gartenensemble im Sommer regelmäßig bewässern muss, der große Mengen synthetische Düngemittel verwendet, der ein Swimming-Pool errichtet hat, Rasenmäher und Laubbläser mit Dieselantrieb verwendet und am Abend effektvoll illuminiert verhält sich nicht gerade klimafreundlich. Solch ein Garten kostet Geld und die Rechnung spiegelt auch den Kohlendioxidausstoß wieder.

Aber was kommt denn nun mit dem Klimawandel auf die Gärtner zu? Einige Fachleute gehen davon aus, dass viele der traditionell angepflanzten Arten unter dem veränderten Klima leiden werden, dass es aber andere Arten gibt, die nun besser gedeihen und die auch schon im Zierpflanzenhandel verfügbar sind. Die Gärtner werden also mehr experimentieren mit dem Pool an Arten, der ihnen zur Verfügung steht. Ob nun in mitteleuropäischen Gärten die Blütezeit der Kakteen und großen Horstgräser ansteht, bleibt fraglich. Vielleicht entwickeln sich aber sogar Strategien, die auch in der Landwirtschaft vorteilhaft sein können.
Allerdings könnte es sein, dass der Pool an Arten, der den Gärtnern zur Verfügung steht, kleiner wird. Dass der Klimawandel in Gang gebracht ist, bedeutet ja nicht einfach nur, dass die Durchschnittstemperatur ansteigt, dass die Winter milder und die Sommer trockener und heißer werden. Es erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit von Extremereignissen, was viele Gartenpflanzen nicht so gut vertragen. Hinzu kommt die Wahrscheinlichkeit, dass die Pflanzen des Gärtners von Schädlingen und Krankheitserregern attackiert werden, die bisher in einem Gebiet nicht vorgekommen sind.

Wir ziehen ein, vielleicht vorschnelles, Fazit: Der Klimawandel bringt Bewegung in den Garten, die Gärtner können sich nicht mehr auf ihre bisherigen Erfahrungen verlassen. Sie fangen an zu experimentieren mit anderen Pflanzenarten und anderen Ensembles und Elementen. Dadurch werden sich vorübergehend die Artenvielfalt der Gärten und die Vielfalt der Gärten überhaupt vergrößern. Auch werden Gärtner gewissenhafter beobachten, sie werden ihre Experimente protokollieren, sie werden das Wetter genauer beobachten, und sie werden auf die Phänologie ihrer Pflanzen achten und diese vielleicht sogar aufzeichnen und der Wissenschaft zur Verfügung stellen. Sie werden ihre botanischen Kenntnisse erweitern müssen, sich aber auch mit der Identifikation bisher unbekannter Krankheiten und Schädlingen auseinandersetzen.
Wenn der Garten, das Sinnbild menschlicher Kultur, plötzlich dermaßen in Dynamik gerät, dann geschieht wohl nichts weniger, als dass ein neues Zeitalter der Menschheit anbricht.

Quellen:

Marris, E. (2007): A Garden for all Climates. In: Nature 450 (13. Dezember 2007), S. 937-939.

Royal Horticultural Society: Gardening in the Global Greenhouse. Internet: http://www.rhs.org.uk/research/climate_change/index.asp (15.01.2008).

The New York Botanical Garden: Climate Change and the Garden. Internet: http://www.nybg.org/climate_change/climate_change_index07.php (15.01.2008).

UKTV Gardens: Climate Change Garden. Internet: http://uktv.co.uk/gardens/stepbystep/aid/588525 (15.01.2008).

Hoffnung, statt Optimismus oder Pessimismus

12. Januar 2008

Dass Optimisten etwas oberflächliche, unreflektiertere, mit weniger kritischem Bewusstsein ausgestattete Menschen sein können, habe ich bereits geahnt.
Ein Beitrag von David W. Orr (siehe auch hier) in Conservation Biology (Volume 21, No. 6, 1392-1395 ‚ ‘Optimism and Hope in a Hotter Time’ - als pdf hier) bestätigt mich in dieser Einschätzung. Orr erklärt, wieso er angesichts des anthropogenen Klimawandels die Hoffnung dem Optimismus vorzieht. Grundsätzlich glaubt er nicht, dass wir optimistisch sein können über unsere Zukunft (S. 1392). Bei der Behandlung des Klimawandels ist Optimismus sogar gefährlich, denn allzu optimistisch gestimmt neigen wir dazu, keine Veränderungen in Angriff zu nehmen. Hoffnungsvolle Menschen dagegen überprüfen, ob Optimismus gerechtfertigt ist. Um hoffnungsvoll zu sein, müssen wir wahrhaftig, ernsthaft und aufrichtig zu uns selbst sein. Hoffnung hat strengere Ansprüche und Maßstäbe; optimistisch ist man einfach so – ohne das Gefühl etwas tun zu müssen.

But how do we find authentic hope in the face of climate change, the biological holocaust now underway, the spread of global poverty, seeming unsolvable human conflicts, terrorism, and the void of world leadership adequate to the issues?“ (ebd., S. 1393).

weiter…

Internet der Zukunft - Tomorrow’s Internet

25. November 2007

Wie das Internet von morgen aussieht? Eine Szene habe ich genau vor Augen. Von einem Spaziergang zurückgekommen, betrete ich das Zimmer. Ich drücke auf den Schalter neben der Tür, der Wandschirm beginnt ein warmes-orangenes Licht in den Raum auszustrahlen. Die Jalousien fahren lautlos nach oben, was den Ausblick auf die Skyline eröffnet. Ein schöner Blick, aber die Aufmerksamkeit richtet sich auf das rote Blinklicht auf dem Nachttisch. Die Fernbedienung - wahrscheinlich würde sie gleich anfangen zu piepen. Das ist in Hotelzimmern immer so. Ohne zu zögern drücke ich auf On.
Auf dem Wandschirm beginnt das Intro, ein Vorspann mit technischen Informationen (des Betreibers, des Herstellers, des Provider usw.). Das Bild entspricht (jetzt noch) in etwa der Größe der letzten noch erhältlichen Fernsehgeräte. Schnell ist fertig geladen und der Snapshot des Browserfensters erscheint. Ich setze mich in einen Sessel. Ein Feld wird aufgeblendet, und ich muss meine Kennziffer und den Hotelzimmercode eingeben. Dann öffnet sich die Auswahl: zwei Spalten mit bunt animierten Menüpunkten, im Hintergrund gelb-orange-rot wabernde Lichtnebel. Wenn ich nicht innerhalb von fünf Minuten auf einen Menüpunkt klicken würde, wird das Menü verschwinden und ich hätte für die Nacht nur die wabernden Lichtnebel. Sicher gibt es hier aber noch schönere Visuals.
Links oben im Menü die Informationskabel: Class 1-Information zwölf Euro die Stunde. Nicht schlecht, war hier aber zu erwarten. Bei Infos sind die Preise regional doch ziemlich unterschiedlich. Class 2-Infos acht Euro, Class 3 sechs, Class 4 vier Euro. Class 5-Infos, das sind News, Tagespresse, Magazine, kosten zwei Euro die Stunde. Fernsehen kostet ein bis fünf Euro die Stunde. Das Preview-Fenster öffnet sich: Movies on Demand, Fiction, Non-Fiction, TV-Shows. Für Kinder gibt es kein Channel; es ist hier ja kein Familienhotel. Die Musikkanäle kosten 50 Cent pro Stunde, die Auswahl ist auch gut. Das ist meistens so in den Design-Hotels. Genauso wie die Art-Channels; wegen deren Zusammenstellung übernachten manche Leute ausschließlich in Design-Hotels. Eine Auswahl guter Seiten über Kunst, Künstler, Design usw. Manche Hotels haben schon Preise für die Zusammenstellung und Animation ihrer Bookmarklists bekommen. Meist sind diese Kanäle im Hotelangebot inbegriffen. Irgendwas kriegt man immer umsonst, wenn man Online im voraus bucht. Auf Erotik verzichten sie hier auch nicht, für 25 Euro die Stunde. Teuer, aber für Abonnnement-Kunden ist es prinzipiell günstiger. Man bekommt für die Zeit, die man bei den Abo-Channels online ist, Zeit gutgeschrieben, je nachdem, von welchem Ort man seine Seiten öffnet. Ich habe nur zwei Abonnements: für Class 5-Infos und ein paar Kanäle vom Class 1-Infokabel. Die letzteren kann ich steuerlich absetzen. Games kosten zwei bis zehn Euro die Stunde; das interessiert mich bis heute nicht, genauso wenig wie Gamblings (auch 25 Euro die Stunde). Die Mobility-Pages kosten immer und überall dasselbe. Ich darf auch nicht vergessen noch bei der Bahn zu schauen; vielleicht schaffe ich morgen schon einen Zug vor 12 Uhr. Tatsächlich klicke ich auf das Journal-Stadtmagazin. Vielleicht gibt’ s irgendwo doch noch etwas Interessantes. Außerdem kann man dort oft Free-Access gewinnen; meist reicht es für gute Musik bis zum Morgen. Das Journal kostet 20 Cent die Stunde. Was noch umsonst ist? Nun, die Werbekabel, die Hotelseite und …. Die Freenet-Kabel, also viele Blogs, Tumblers, Privates usw., die sind in Hotels aber sowieso gesperrt. Wenn nicht, das wäre ein Wunder, zu viele Störungen und Dissies [Diseases - Anm. d. Verf.]. Eine URL eingeben kostet hier ein Euro. Die Suchmaschinen kosten auch etwa ein Euro. Es bringt aber nichts in Hotels von Beginn an was zu suchen, weil die meisten Seiten ja gesperrt sind. Darüber hinaus haben die Channels ihre eigenen Suchmaschinen.
Ich denke, ich gehe wirklich noch mal raus aus dem Hotel, oder wenigstens in die Bar. Das Hotel, in dem ich untergebracht bin, gehört zu keiner Kette, nennen wir es mal Flaneur-In. So heißt auch die Bar.

Ich habe noch eine zweite Szene vor Augen. Ich stelle im Hotelzimmer meinen Pocket-PC (kurz PC) auf den Nachttisch, schalte den Beamer an und richte das Bild auf dem Wandschirm aus. Im Prinzip sehe ich dann das gleiche Bild. Diese Szene ist jedoch teurer, denn ich muss den PC in die Steckdose stecken, und der Strom in Hotels ist ziemlich teuer.

Cool!
Klimawandel und Klimawandeldebatte (Teil 5)

4. Oktober 2007

Klimawandeldiskussion

Gesehen bei Folklore 007 im Kulturpark, Schlachthof Wiesbaden am 26.08.2007. Vielen Dank und viele Grüße an den mir unbekannten Träger des T-Shirts.

Nordwestpassage - freie Fahrt

26. September 2007

Am 10. August 2007 meldeten die Klimawissenschaftler vom realclimate-Blog (hier), dass die Ausdehnung des arktischen Meereises bereits im August ein Minimum erreicht hatte, das vorher noch nie beobachtet worden war. Üblicherweise erreicht die Ausdehnung ihr jährliches Minimum erst im September eines Jahres (vgl. auch Cryosphere Today oder National Snow and Ice Data Center).

So ist es denn auch nicht wirklich überraschend (es wurde ja in den Medien vielfach angekündigt), dass die Nordwestpassage nun offen, d.h. eisfrei ist (vgl. die entsprechende Meldung mit Bild der European Space Agency, ESA; siehe z.B. Spiegel-Online vom 15.09.2007Dramatische Arktis-Schmelze. Nordwestpassage komplett eisfrei” oder taz.de vom 16.09.2007: “Klimawandel: Nordwestpassage ohne Eis“).

Die Satellitenbilder, die zeigen, dass die Nordwestpassage eisfrei ist, sind Ikonen einer sich wandelnden Welt. weiter…

Cool bleiben!
Klimawandel und Klimawandeldebatte (Teil 4)

19. September 2007

In der Zeitschrift Universitas (9/2007) setzt sich der Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (mal wieder) mit den Klimaskeptikern auseinander. Im Clinch mit dem thermophilen Biologen Josef Reichholf, dem Überlehrer Ernst-Georg Beck, dem Autofreak Christian Bartsch und dem geläuterten Alt-68er Dirk Maxeiner (vgl. “Do you want to be cool?“Teil 1 im Space-Büro-Blog), bleibt Zeit, uns auch aufzuklären über die Person Fred Singer (er hatte seinen Auftritt in der RTL-Dokumentation “Der Klimaschwindel“) und über die Umfrage der Klimaforscher Dennis Bray und Hans von Storch. Das Ergebnis dieser Umfrage war, dass lediglich die Hälfte der Klimatologen den menschlichen Einfluss auf das Klima für belegt halten. Bei dieser Umfrage gab es aber keine Kontrolle, ob die Teilnehmer überhaupt Klimatologen waren. Laut Rahmstorf (ebd., S. 902) konnte jeder, der das Passwort kannte, im Internet den Fragebogen ausfüllen. In den Netzwerken der Klimaskeptiker sei das Passwort verbreitet worden und zur massenhaften Teilnahme aufgerufen (vgl. auch die Kommentare zum Beitrag von von Storch, H. & D. Bray “Climate scientists’ views on climate change: a survey” in Climate Feedback - The Climate Change Blog vom 9. August 2007). Die Ergebnisse seien daher wertlos und ihre Publikation wurde von mindestens zwei Fachzeitschriften abgelehnt. Schließlich wird noch ein Beitrag von Wolf Lotter in der Zeitschrift brand eins kommentiert, sowie der Beitrag von Matthias Horx in der Welt, mit dem sich der Trendprophet in die Riege der Klimaskeptiker katapultierte.

Hier die Links, um diese Diskussion zu verfolgen:

Rahmstorf, S. (2007): Alles nur Klimahysterie? In: Universitas (9/2007) oder auf den Seiten von S. Rahmstorf beim PIK (hier, siehe auch: “Deutsche Medien betreiben Desinformation” bei FAZ.Net, vom 31.08.2007; hier)

Bartsch, C.; G. Ederer; M. Horx; W. Lotter; D. Maxeiner, J. Reichholf & W. Weimer: “Die Klimaskeptiker antworten. Wir müssen Urängste relativieren“. In: FAZ, Nr. 206 vom 05.09.2007, S. 35; hier.

Rahmstorf, S. (2007): “Antwort auf die Replik von Bartsch, Ederer, Horx, Lotter, Maxeiner, Reichholf und Weimer in der FAZ“; hier.

Seite mit Richtigstellungen der Klimaskeptiker im Weblog ‘Die Achse des Guten‘; hier.

Fuhr, E.: “Der heilige Krieg der Klimaskeptiker“. Welt-Online am 05.09.2007; hier.

Armborst, M.: “Die Bewegung der Klimaskeptiker formiert sich“. Welt-Online am 05.09.2007; hier.

Hein, J.-P. & M. Becker: “Streit mit Skeptikern: Die rabiaten Methoden des Klimaforschers Rahmstorf“. In Spiegel-Online vom 12.09.2007; hier.

Niggemeier, S.: “Wollt ihr den totalen Widerspruch“. Im Stefan Niggemeier. Medienjournalist-Blog vom 04.09.2007; hier am 16.09. schon mit weit über 300 Kommentaren).

Werning, H.: “‘Klimahysterie’: Dschihad in der FAZ“. Im Taz-Blog Reptilienfond vom 16.09.2007; hier.

Pötter, B.: “Sturm über dem Elfenbeinturm. Die Kluft zwischen Wissenschaft und Medien ist tief beim Klimawandel“. In: Taz.de vom 17.09.2007; hier.

Hier die Links zu den von S. Rahmstorf erwähnten Beiträgen der Klimaskeptiker (sofern sie nicht bereits in “Do you want to be cool?” in diesem Weblog erwähnt sind):

Horx, M.: “Warum ich nicht an die Klimakatastrophe glaube“. In: Welt-Online, 13.03.2007; hier.

Lotter, W.: “Zweifel im Klimakterium. Das eigentliche Problem mit dem Weltklima ist der Verlust des Denkvermögens“. In: Brand eins 03/07, S. 24-26; hier.

Reichholf, J. (2006): Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends. - S. Fischer, Frankfurt/Main.

Reichholf, J. (2006): Das letzte Jahrtausend. Ein historisch-ökologischer Rückblick auf die Zeit, aus der die Gegenwart kommt, S. 11-59, In: Fischer, E. P. & K. Wiegandt (Hrsg.): Die Zukunft der Erde. Was verträgt unser Planet noch? - Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main.

Ulli Kulke (Reporter und Autor bei der Welt) darf am 05.09.2007 in Welt-Online das bereits 2002 erschienene Buch “Freispruch - für CO2! Wie ein Molekül die Phantasie der Experten gleichschaltet” des aus dem Fernsehen bekannten Diplom-Meteorologen Dr. Wolfgang Thüne empfehlen; hier; siehe z.B. aber auch seinen Beitrag “Warum Kritiker der Horrorszenarien keine Chance haben” vom 03.02.2007; hier.

Zu erwähnen ist, dass auch Dirk Maxeiner ein neues Buch auf den Markt bringt: “Hurra, wir retten die Welt! Wie Politik und Medien mit der Klimaforschung umspringen“, Wjs, Berlin.
Ein Vorabdruck “Intolerantes Klima konnte Maxeiner in der Welt, am 08.09.2007 unterbringen. In diesem Zusammenhang freut er sich über die Offensive Rahmstorfs: “Mein in 14 Tagen erscheinendes Buch (siehe oben) ist dank Herrn Rahmstorf bei Amazon kurzfristig von Platz hunderttausend oder so auf Platz 2635 hochgeschnellt, obwohl es noch gar nicht zu haben ist (erst in 14 Tagen). So etwas nennt man einen klassichen Sockenschuss. Danke Stefan Rahmstorf!” (aus dem Weblog Die Achse des Guten vom 31.08.2007, hier).

Suchbegriff: “Biodiversität”

13. September 2007

In einem kleinen Beitrag für die Zeitschrift Conservation Biology (6, 2003, S. 1475 f.) konstatieren Elliot A. Norse und James T. Carlton einen unglaublich erscheinenden “World Wide Web Buzz about Biodiversity“. Sie untersuchten die Verbreitung dieses Begriffes anhand seines Vorkommens im Internet. Sie gaben verschiedene Suchbegriffe in googlefight ein und waren wohl selbst über das Ergebnis überrascht. 3.100.000 Treffer für “biodiversity“, das waren mehr als für “molecular biology” (1.550.000), “climate Change” (1.460.000), “Beatles” (2.800.000), “George W. Bush” (2.580.000).
Inzwischen zählt Google für das Suchwort “biodiversity” 26.000.000 Treffer, für “climate change” jedoch 97.300.000 Treffer, für “molecular biology” 82.000.000, für “biogeography” 2.980.000 und für “ecology” 61.600.000.
Ich habe den Versuch von Norse und Carlton wiederholt, wobei ich mich auf eine Suche auf “Seiten auf Deutsch” beschränkt habe.
Ergebnis:Biodiversität“: 867.000 und “Biologische Vielfalt“: 784.000 Treffer; zum Vergleich:
Klimawandel“: 2.720.000; “Klimaerwärmung“: 674.000; “Molekularbiologie“: 1.070.000; “Ökologie“: 3.110.000; “Ozeanographie“: 158.000; “Biogeographie“: 78.300; “Beatles“: 1.880.000; “Angela Merkel“: 1.950.000; “Dieter Bohlen“: 1.530.000

Ob in Deutschland von einem Nation Wide Web Buzz about Biodiversity gesprochen werden kann? Wenn man berücksichtigt, dass der Begriff “biologische Vielfalt” in Deutschland auch sehr verbreitet ist, bekommt man in jedem Fall eine erhebliche Anzahl von Treffern. Biodiversität scheint aber nicht (mehr) das wissenschaftliche Konzept zu sein, das anderen an “Popularität” vorauseilt.

Was könnten die Gründe dafür sein? weiter…

C40, WMCCC, CCP
Die Städte und der Klimawandel

28. August 2007

Berlin, Istanbul, London, Madrid, Moskau, Paris, Rom, Warschau? Was haben diese Städte gemeinsam. Sie liegen alle in Europa und sind ziemlich groß. Stimmt, und sie arbeiten mit vielen anderen Welt- und Megastädten, z.B. New York, Los Angeles, Tokio, Addis Abeba, Lagos, Mumbai usw. zusammen in dem Netzwerk C40.

Städte, v.a. die in bestimmten Küstenregionen liegenden Städte sind von den Folgen des Klimawandels besonders bedroht (z.B. durch einen Anstieg des Meeresspiegels). Das bedeutet, dass einige Städte mit relativ hohen Adaptationskosten zu rechnen haben. Sie müssen sich vorbereiten auf die Schäden, die durch Überschwemmungen, Stürme, Hitzeperioden, Extremniederschläge usw. auftreten können. Im allgemeinen wird davon ausgegangen, dass solche Ereignisse im Zuge der globalen Klimaerwärmung häufiger auftreten. Zu berücksichtigen sind allerdings regionale Unterschiede.
In diesem Beitrag geht es aber weniger um die Verwundbarkeit von Städten gegenüber der Klimaerwärmung und die Anpassung an diese möglichen Folgen. Vielmehr geht es um Anstrengungen von Städten zur Besänftigung des Klimawandels (‘mitigation‘).

Städte spielen eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der mit dem Klimawandel verbundenen Probleme. Zuvorderst kann ihnen die Schuld an der globalen Klimaerwärmung zugesprochen werden. In den Städten der Welt vollzieht sich 75% des weltweiten Energieverbrauchs, mit der Konsequenz, dass von Städten 80% der weltweiten Treibhausgase emittiert werden. Dies ist gewissermaßen durch die Physiologie der Städte bedingt, durch deren Bevölkerungszahl, die Konzentration und Organisation ökonomischer (und anderer) Aktivitäten und die ständigen Transformations- und Umbauprozesse, die in Städten stattfinden. Hinzu kommt eine strukturelle Komponente, die nicht in Einklang steht mit Effizienzanforderungen oder Richtlinien der Nachhaltigkeit. Die Morphologie der Städte ist im wesentlichen geprägt von der Grundannahme einer endlos verfügbaren und erschwinglichen Energieversorgung und einer Umwelt, die ohne Ende mit Abfallstoffen und Emissionen belastet werden kann. Bei dieser biologistischen Redeweise bleibend, können wir behaupten, dass Städte komplexen Organismen ähneln, die ihr Biotop zunehmend verschmutzen und verbrauchen. Das klingt nicht besonders ökologisch oder nachhaltig, sondern eher als ein Lehrstück der Parasitologie oder Onkologie.

Verstädterte Gebiete bedecken weniger als ein Prozent der Erdoberfläche, in Städten leben aber etwa 50% der Bevölkerung der Erde. Dieser Anteil wird wohl noch weiter zunehmen (auf 60% im Jahr 2030). Letztlich ist also von den Städten zu fordern, dass sie Anstrengungen zur Einschränkung des Energieverbrauchs unternehmen, Grundsätze der Nachhaltigkeit anerkennen und so auch zur Besänftigung des anthropogenen Klimawandels beitragen. Jedem einzelnen Bürger wird empfohlen Energie einzusparen und Abfälle bzw. Emissionen zu vermindern. Eine Stadt ist aber mehr als die Summe seiner Bürger, und ein umweltfreundliches Verhalten möglichst vieler Bürger führt noch nicht zu einer deutlich verbesserten Umweltbilanz der Stadt. Die Physiologie und Morphologie der Städte müsste verändert werden. Nicht nur der einzelne Bürger, sondern die Stadt selbst muss effizienter werden.

Die Vereinigung C40 Cities. Climate Leadership Group hat Verantwortung übernommen. weiter…

How to be cool?
Klimawandel und Klimawandeldebatte (Teil 3)

27. August 2007

Hier nun noch die im ersten Teil erwähnte Glosse - als Erinnerung an die Klimschutzdiskussion, eine Hommage an 10-Punkte-Pläne:

“Auf der Pfui-Liste der Klimapolitiker ganz oben stehen Geländewagen, fossile Brennstoffe, Fernreisen, Zickzackflüge, Stand-Bye, Glühbirnen aber auch die Viehhaltung, Stickstoffdüngung und Nassreiskulturen. Die grüne Agrarpolitikerin Bärbel Höhn fürchtet sich vor dem steigenden Fleischverbrauch (FR, Nr. 46 vom 23.02.2007, S. 1, vgl. dort auch S. Börnecke „Rinder als Klimasünder“, S. 9 und sein Kommentar auf S. 3). Sogar das Umweltbundesamt stimmte ein: Weniger Fleisch sei auch gut.
Durch eine vegetarische Lebensweise (ohne Reis) kann folglich zur Klimawende beigetragen werden. Besonders klimaschädliche carnivore Praxen gehören zudem verboten, v.a. die periodisch auftretende Unsitte exzessiven Grillens unter freiem Himmel in den erwärmten Sommermonaten. Das Verglühen von Kohle, ein fossiler Brennstoff, zum Zweck der Garung unmäßiger Mengen von Fleisch ist nur das Ende einer Verwertungskette wiederkäuender, methanproduzierender Säugetiere, die auf jeder Stufe eine Unmenge an Treibhausgasen freisetzt. Das sog. Anfächeln der Grillkohle hilft zudem, die Treibhausgase in der Atmosphäre zu verteilen. Überhöhter Fleischgenuss heterotropher Organismen führt wegen der notwendigen Verdauungsmehrarbeit zu vermehrtem Sauerstoffbedarf und damit zur verstärkten Exhalation von Kohlendioxid. An Orten, an denen viele Grillgeräte in Betrieb genommen sind, kommt es zu einer weiteren Erhöhung der Lufttemperatur, was in Verbindung mit dem Fleischkonsum zu außerordentlich starker Transpiration führt. Der Wasseranteil des Schweißes verdunstet, es entsteht Wasserdampf – auch das ein gefährliches Treibhausgas.
Darüber hinaus brauchen wir alle neue Kühlschränke, neue Heizungen, neue Fenster, neue Autos, eine umfassende Anti-Warming-Gesetzgebung, eine Klimaschutzhymne, ein Klimaschutzcoaching (ähnlich wie die Diabetes- oder Blutdruckberatungen in den Krankenhäusern), eine Neudefinition von Schurkenstaaten usw. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel, wir müssen anfangen umzudenken. Es kann nicht angehen, dass der feuerspeiende Drache Tabaluga der Gute ist, während der Klimakühlung verschaffende Arktos als Bösewicht gilt. Dann sind wir bereit für die Innovation des Jahres 2007, den CGR, den Climate Gas Resorber. Eine farblich zu den weißen Ohrstöpseln des I-Pod passende Atemmaske, durch die die Atemluft ungehindert zu Nase und Mundöffnung strömen kann, bei Bedarf mit Aromen, Hormonen, Vitalstoffen, oder – als PartyGag - Helium angereichert. (Die Beimischung von Lachgas ist nicht zu empfehlen, aus dem einen Grund, weil es ein gefährliches Treibhausgas ist.) Beim Ausatmen wird das klimaschädliche Kohlendioxid mit einem synthetischen Chlorophyllgranulat ausgefiltert und abgelagert. Ist der Filter voll, kann er in Apotheken, Tankstellen und speziellen Sammelstellen abgegeben werden. Von dort wird das gefährliche Gas der Endlagerung zugeführt. Man erhält Sammelpunkte, mit denen man bei Rabattpartnern verbilligt einkaufen kann, z.B. Energiesparlampen oder Zwiebelschmalz.”

The Last Chance?

17. August 2007

Eine wirklich brilliante Einführung zum Thema Global Environmental Change:

Wullfmorgenthaler.com am 16. August 2007